Seilführung bei Sektionaltoren: Innen vs. Außen

Ein kompakter Überblick zur technischen Notwendigkeit und normgerechten Sicherheitsbewertung außenliegender Drahtseile bei Sektionaltoren im gewerblichen Umfeld

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Seilführung bei Sektionaltoren: Außenliegende vs. innenliegende Drahtseile

Einleitung

Bei der Konstruktion von Sektionaltoren ist die Positionierung der Drahtseile ein zentrales technisches Merkmal. Grundsätzlich wird sowohl aus technischen als auch aus kommerziellen Gründen stets eine innenliegende Seilführung angestrebt. Es gibt jedoch spezifische Einbausituationen und Tor-Konfigurationen, bei denen die Seile zwingend außen geführt werden müssen.

Wann ist eine außenliegende Seilführung notwendig?

Innenansicht eines geschlossenen industriellen Sektionaltores, die die horizontalen Paneele, die vertikale Laufschiene, die Scharniere und die Laufrollen auf der linken Seite vor einem blauen Stahlträger und einer Betonblockwand zeigt.

Eine außenliegende Seilführung kommt dann zum Einsatz, wenn der benötigte Bauraum für eine Innenführung nicht ausreicht. Typische Anwendungsfälle sind:

  • Doppelte Federsätze: Der Einsatz von zwei Federn erfordert eine andere Kraftübertragung und Seilwicklung.
  • Platzmangel: Bauliche Einschränkungen, wie geänderte Keilgrößen oder besondere Kransituationen in der Halle, lassen keinen Raum für innenliegende Seile.
  • Bestimmte Trägersysteme: Spezifische Beschlagsarten erfordern spezielle Bodenkonsolen, bei denen das Seil außen angeschlagen wird.
  • Wirtschaftliche Faktoren: In manchen Projekten mit hohem Preisdruck stellt die äußere Seilführung eine kostengünstigere und platzsparendere Lösung hinsichtlich des Federsatzes dar.
3D-CAD-Rendering einer mehrteiligen, robusten Metall-Montagehalterung vor einem hellblauen Hintergrund. Die Konstruktion besteht aus mehreren verschraubten und verschweißten Platten, darunter eine nach oben gerichtete Platte mit verschiedenen Bohrlöchern, eine breite Frontplatte mit vier auffälligen orangefarbenen Schraubenköpfen sowie eine seitlich angebrachte, orangefarbene Ringöse zum Heben von Lasten.

Normen und mechanische Sicherheit

In den europäischen Normen (insbesondere der EN 13241 für Tore und der EN 12604 für mechanische Aspekte) wird der Verlauf von Drahtseilen auf der Außenseite nicht ausdrücklich verboten oder reglementiert. Vielmehr rückt die allgemeine Gefahrenabwehr, insbesondere die Vermeidung von Quetsch- und Schneidverletzungen, in den Fokus. Da spezifische Vorgaben zur äußeren Seilführung fehlen, muss die Sicherheit anhand der übergeordneten Grundnorm EN 12100 (Sicherheit von Maschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze) beurteilt werden.

Risikobewertung nach der Fine & Kinney-Methode

Die Beurteilung der Sicherheit von Sektionaltoren unterliegt einem ständigen Wandel durch neue Erkenntnisse und Systemanpassungen. Um die Risiken objektiv zu bewerten, nutzt OceanDoors die Fine & Kinney-Methode (teilweise auch als Fine & Kenneth bezeichnet). Wie in der beigefügten Risikomatrix zu sehen ist, wird das Risiko aus drei Faktoren berechnet:

  1. Auswirkung: Schwere der möglichen Verletzung.
  2. Aussetzungsfrequenz: Wie oft ist man der Gefahr ausgesetzt?.
  3. Verletzungswahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist ein tatsächlicher Vorfall?.
BESTIMMUNG DER GRÖß DES RISIKOS
Aussetzungsfrequenz
1 3 5 7 9 10
Auswirkung 1 135710 39152130 515253550 721354970 927456390 10305070100
3 39152130 927456390 154575105150 2163105147210 2781135189270 3090150210300
5 515253550 154575105150 2575125175250 35105175245350 45135225315450 50150250350500
7 721354970 2163105147210 35105175245350 49147245343490 63189315441630 70210350490700
9 927456390 2781135189270 45135225315450 63189315441630 81243405567810 90270450630900
10 10305070100 3090150210300 50150250350500 70210350490700 90270450630900 1003005007001000
135710 135710 135710 135710 135710 135710
Verletzungswahrscheinlichkeit
< 20 Mögliches Risiko Priorität 5 Keine Maßnahme, aber berücksichtigen
20 - 90 Mögliches Risiko Priorität 4 Innerhalb von 2 Jahren daran arbeiten
90 - 200 Erhebliches Risiko Priorität 3 Innerhalb von 1 Jahren daran arbeiten
200 - 440 Hohes Risiko Priorität 2 Innerhalb von 6 Monaten daran arbeiten
> 440 Sehr hohes Risiko Priorität 1 Sofort daran arbeiten
E = 10 Sehr hohes Risiko Priorität 1 Sofort daran arbeiten
Auswirkung
1=Erste-Hilfe-Verletzung / geringer Schaden
3=Medizinische Behandlung / Schäden < €10.000,-
5=Verletzung mit Arbeitsausfall / Schäden < €100.000,-
7=Ausfall > 7 Wochen
9=Bleibende Verletzung / Schäden < 1 million
10=Bleibende Verletzung / Schäden > 1 million
Aussetzungsfrequenz
1=Sehr selten
3=Jährlich
5=Monatlich
7=Wöchentlich
9=Täglich
10=Fortwährend
Verletzungswahrscheinlichkeit
1=Praktisch unmöglich
3=Denkbar, aber unwahrscheinlich
5=Denkbar
7=Sehr gut möglich
10=Sehr wahrscheinlich
   
Fine & Kenneth Methode

Trotz der theoretischen Möglichkeit eines Eingreifens in außenliegende Seile zeigt die Praxis ein klares Bild: Weder bei offiziellen Stellen (z. B. dem niederländischen Ministerium für Soziales und Arbeit, Daten 1998–2014) noch in den internen Aufzeichnungen von OceanDoors (1997–2020) sind Verletzungen dokumentiert, die auf außen verlaufende Drahtseile zurückzuführen sind.

Verantwortlichkeiten in der Lieferkette

Die Ocean Service Group agiert in der Lieferkette als reiner Fachhändler (Vertreiber) und nicht als Produzent der Tore. Die rechtliche Pflicht zur Erfüllung der Produktnormen, zur Ausstellung der Leistungserklärung und zur Anbringung der CE-Kennzeichnung liegt beim jeweiligen Original-Hersteller der Tore. Die Ocean Service Group stellt als B2B-Lieferant sicher, dass normkonforme Produkte an die ausführenden Montagebetriebe geliefert werden.

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