Finger-Einklemmschutz bei Sektionaltoren

Diese Erklärung erläutert die CE-Vorschriften zum Finger-Einklemmschutz bei Sektionaltoren, der in Abhängigkeit von der Systemart, der Paneelhöhe und der lichten Höhe zwingend erforderlich sein kann, um Gefahren durch zu große Öffnungsspalten zu vermeiden.

Produkte
Sektionaltor
Kundengruppe
Privat
Autor
Simon Köster
Veröffentlicht am
May 3, 2026

Finger-Einklemmschutz bei Sektionaltoren

CE-Vorschriften und Gefahrenvermeidung

Die CE-Vorschriften besagen, dass Sektionaltore bis zu einer Höhe von 2.500 mm keine Gefahrensituationen verursachen dürfen. Wenn sich die Verbindung zwischen den Paneelen bis zu 2.500 mm über dem Boden öffnet, muss dies aufgrund der entstehenden Öffnung berücksichtigt werden. Gemäß der EN 12604 darf die Öffnung nicht größer sein als 4 mm. Im Falle eines Vertikalen Systems (VS) oder eines Hoch-Systems (HS) mit ausreichendem Hub tritt dabei kein Problem auf. Aber bei den niedrigen Systemen (LS und G) und bei einem Normal-System (NS), in Kombination mit einer niedrigen lichten Höhe (LH), ist dies wohl von Bedeutung.

Grundsätzlich wird bei den Paneelen zwischen zwei Hauptsorten unterschieden. Das sind die herkömmlichen Paneele und die Paneele mit Finger-Einklemmschutz. In bestimmten Fällen ist es nicht unverbindlich und es muss ein Paneel mit einem Finger-Einklemmschutz verwendet werden. Bei Systemen ohne Kurve dürfen alle Paneele verwendet werden.

Ermittlung der Grenzwerte (4 mm Öffnung)

Bei Schienensystemen mit einer Kurve (also aufgebaut aus einer senkrechten und einer waagerechten Schiene) öffnen sich die verbundenen Paneele im Verlauf der Schiene an der gegenseitigen Verbindung zur Außenseite des Torblatts hin. Diese Öffnung darf bis zu einer Höhe von 2.500 mm nicht größer als 4 mm sein. Um den Grenzwert dieser 4 mm zu ermitteln, wird in der technischen Prüfung der Original-Hersteller zuerst das Normal-System (NS) beurteilt (siehe Bild). Dabei wird der Moment bestimmt, an dem die Öffnung zwischen den Paneelen 4 mm oder mehr beträgt. Das ist auch von der Höhe des Paneels abhängig. Je höher die Sektion, desto niedriger ist die Stelle, an der sich die Paneele 4 mm öffnen, und desto höher ist die Grenze, bis zu der Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden müssen.

Zwei übereinanderliegende technische Konstruktionszeichnungen (vermutlich Draufsichten oder Querschnitte), die den Verlauf eines gelb markierten Torpaneels im Kurvenbereich einer Führungsschiene zeigen. Die obere Grafik trägt die Bezeichnung „NS ST3E 488“ und bemaßt den Abstand zwischen den beiden Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die untere Grafik mit dem Titel „NS ST3E 610“ zeigt eine längere Paneelvariante, bei der der Rollenabstand 610 mm beträgt. Beide Skizzen veranschaulichen detailliert die Positionierung der Rollen, Halterungen und die gebogenen blauen Linien der Laufschienen.

Berechnungsbeispiele nach Schienensystem

Normal-System (NS) & Hoch-System (HS)

  • Normal-System ST3E 488: ≥ 2.500 mm + 443 mm = 2.943 mmBis zu einer lichten Höhe von 2.943 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.
  • Normal-System ST3E 610: ≥ 2.500 mm + 542 mm = 3.042 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.042 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.

Das Normal-System lässt sich in der Auslegung mit dem Hoch-System koppeln. Ein Normal-System besitzt einen Hub von 210 mm. Das ergibt für das Hoch-System die folgende Formel:

  • ST3E 488: LH + HL < (2.943 + 210) 3.153 mm = Paneele mit Finger-Einklemmschutz
  • ST3E 610: LH + HL < (3.042 + 210) 3.252 mm = Paneele mit Finger-Einklemmschutz
Zwei nebeneinander angeordnete technische Konstruktionszeichnungen unter der gemeinsamen Überschrift „NORMAL-SYSTEM ST3E“. Sie stellen den Verlauf von gelb markierten Torpaneelen im Kurvenbereich einer Führungsschiene dar. Die linke Grafik mit dem Titel „NS ST3E 488“ bemaßt den Abstand zwischen den Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die rechte Grafik („NS ST3E 610“) zeigt eine längere Paneelvariante mit einem Rollenabstand von 610 mm. Beide Skizzen veranschaulichen die Positionierung der Rollen, der Halterungen sowie den gebogenen Verlauf der Laufschienen.

Residentielles System R60

  • R60 ST3E 488: ≥ 2.500 mm + 773 mm = 3.273 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.273 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*
  • R60 ST3E 610: ≥ 2.500 mm + 878 mm = 3.378 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.378 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*

*Weil serienmäßig für das R60 eine maximale LH von 3.250 mm gilt, müssen immer Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.

Zwei nebeneinander angeordnete technische Konstruktionszeichnungen unter der gemeinsamen Überschrift „RESIDENTIELLES SYSTEM R60“. Sie veranschaulichen den Verlauf von gelb markierten Torpaneelen im Kurvenbereich einer Führungsschiene. Die linke Grafik mit dem Titel „R60 ST3E 488“ bemaßt den Abstand zwischen den Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die rechte Grafik („R60 ST3E 610“) zeigt eine längere Paneelvariante mit einem Rollenabstand von 610 mm. Im rechten Bereich beider Skizzen ist im Übergang zur Vertikalen eine im Vergleich zu Standard-Systemen abweichende, komplexere Beschlagkonstruktion mit zusätzlichen Gelenken und Scharnieren zu erkennen.

Residentielles System G100

  • G100 ST3E 488: ≥ 2.500 mm + 690 mm = 3.190 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.190 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*
  • G100 ST3E 610: ≥ 2.500 mm + 789 mm = 3.289 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.289 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*

*Weil serienmäßig für das G100 eine maximale LH von 3.250 mm gilt, müssen immer Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.

Zwei nebeneinander angeordnete technische Konstruktionszeichnungen unter der gemeinsamen Überschrift „RESIDENTIELLES SYSTEM G100“. Sie veranschaulichen den Verlauf von gelb markierten Torpaneelen im Kurvenbereich einer Führungsschiene. Die linke Grafik mit dem Titel „G100 ST3E 488“ bemaßt den Abstand zwischen den Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die rechte Grafik („G100 ST3E 610“) zeigt eine längere Paneelvariante mit einem Rollenabstand von 610 mm. Im rechten Bereich beider Skizzen ist im Übergang zur Vertikalen eine im Vergleich zu Standard-Systemen abweichende, komplexere Beschlagkonstruktion mit zusätzlichen Gelenken und Scharnieren zu erkennen.

Residentielles System G200

  • G200 ST3E 488: ≥ 2.500 mm + 632 mm = 3.132 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.132 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*
  • G200 ST3E 610: ≥ 2.500 mm + 731 mm = 3.231 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.231 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.*

*Weil serienmäßig für das G200 eine maximale LH von 3.000 mm gilt, müssen immer Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.

Zwei nebeneinander angeordnete technische Konstruktionszeichnungen unter der gemeinsamen Überschrift „RESIDENTIELLES SYSTEM G200“. Sie veranschaulichen den Verlauf von gelb markierten Torpaneelen im Kurvenbereich einer Führungsschiene. Die linke Grafik mit dem Titel „G200 ST3E 488“ bemaßt den Abstand zwischen den Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die rechte Grafik („G200 ST3E 610“) zeigt eine längere Paneelvariante mit einem Rollenabstand von 610 mm. Im rechten Bereich beider Skizzen ist im Übergang zur Vertikalen eine im Vergleich zu Standard-Systemen abweichende Beschlagkonstruktion mit einer speziellen oberen Laufrollenkonsole zu erkennen.

Industrielles System LS200

  • LS200 ST3E 488: ≥ 2.500 mm + 648 mm = 3.148 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.148 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.
  • LS200 ST3E 610: ≥ 2.500 mm + 747 mm = 3.247 mmBis zu einer lichten Höhe von 3.247 mm müssen Paneele mit Finger-Einklemmschutz verwendet werden.
Zwei nebeneinander angeordnete technische Konstruktionszeichnungen unter der gemeinsamen Überschrift „INDUSTRIELLES SYSTEM LS200“. Sie veranschaulichen den Verlauf von gelb markierten Torpaneelen im Kurvenbereich einer Führungsschiene. Die linke Grafik mit dem Titel „LS200 ST3E 488“ bemaßt den Abstand zwischen den Achsen der Laufrollen mit 488 mm. Die rechte Grafik („LS200 ST3E 610“) zeigt eine längere Paneelvariante mit einem Rollenabstand von 610 mm. Im rechten Bereich beider Skizzen ist im Übergang zur Vertikalen eine für dieses Industriesystem typische, massivere Beschlagkonstruktion mit einer speziellen oberen Laufrollenkonsole für niedrige Sturzhöhen zu erkennen.

Zusammenfassung

Wenn die Verbindung von Paneelen unter einer Höhe von 2.500 mm eine Öffnung von mehr als 4 mm aufweist, ist es nicht erlaubt, herkömmliche Paneele zu verwenden. Eine Ausnahme zu dieser Regel ist nur dann möglich, wenn eine durch den Montagebetrieb durchgeführte, ortsspezifische Risikoanalyse diese Anforderung nicht ergibt.

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