Beschichtung und Korrosionsschutzklassen

Diese Erklärung beschreibt die Korrosionsschutzklassen gemäß EN ISO 12944-2, Arten von Korrosion, Beschichtungsarten, Einflussfaktoren auf die Lebensdauer sowie Richtlinien zur Reinigung und Wartung von Sektionaltoren.

Produkte
Sektionaltor
Kundengruppe
Privat
Autor
Simon Köster
Veröffentlicht am
March 8, 2026

Beschichtung und Korrosionsschutzklassen

Korrosivitätskategorien und Korrosionsschutzklassen

In der Europäischen Norm EN ISO 12944-2 werden mehrere Korrosionsschutzklassen beschrieben. Die Korrosionsschutzklasse, auch Korrosivitätskategorie genannt, beschreibt das Maß der Korrosionsbelastung, welches unter anderem von den Umgebungsbedingungen abhängig ist. Dabei spielen Faktoren wie atmosphärische Verunreinigungen sowie salzige oder feuchte Luft eine entscheidende Rolle. In diesem Kontext wird von atmosphärischer Korrosion gesprochen. Die Korrosionsschutzklassen spielen sowohl im Außen- als auch im Innenbereich eine Rolle und zeigen an, inwiefern Stahlkonstruktionen durch Schutzlackierungen gegen Korrosion geschützt sind.

Im Prinzip geht es dabei um atmosphärische Korrosion, die in Klassen von C1 bis C5 unterteilt ist, wobei Cx die stärkste Schutzklasse für extreme Umgebungsbedingungen darstellt. Ziel ist es, die schützende Deckschicht so zu wählen, dass das Risiko einer korrosiven Beeinträchtigung minimiert oder verhindert wird.

Das Risiko für atmosphärische Korrosion und die Geschwindigkeit, mit der sie auftritt, sind hauptsächlich von folgenden Parametern abhängig:

  • der relativen Luftfeuchtigkeit (der Innen- oder Außenluft), in der sich die Konstruktion befindet,
  • dem Risiko von Kondensation (abhängig von relativer Luftfeuchtigkeit, Stahl Temperatur und Luftströmungsgeschwindigkeit),
  • der Konzentration korrosiver Verunreinigungen (Gase, Partikel oder Flüssigkeiten) wie Schwefeldioxid, Säuren, Alkalien oder Salzen.
Außenansicht eines Sektionaltores mit integrierter Schlupftür (Personentür), einer Aluminium-Rahmenkonstruktion sowie großen Glas- und Paneelelementen, an dessen unteren Metallteilen leichte Rostspuren zu erkennen sind.

Arten der Korrosion

Korrosion ist die natürliche chemische Beeinträchtigung von Materialien durch die umgebende Atmosphäre, insbesondere die Zersetzung von Metallen durch elektrochemische Reaktionen. Die bekannteste Form ist die Oxidation von Metalloberflächen durch die Einwirkung von Sauerstoff und Feuchtigkeit, wodurch Stahl rostet oder Kupfer eine Patina bildet.

Es wird zwischen verschiedenen Korrosionsarten unterschieden, bei denen jeweils spezifische chemische Reaktionen ablaufen. In Salzwasser werden alle Korrosionsprozesse stark beschleunigt: Durch gelöste Natrium- und Chlorid-Ionen steigt die elektrische Leitfähigkeit des Wassers massiv an, wodurch der Kurzschlussstrom der Korrosionszelle und damit die Zersetzungsgeschwindigkeit zunehmen.

Die Konfiguration des Tores wirkt sich unmittelbar auf die Anfälligkeit für Korrosion aus. So können optional Edelstahlkomponenten eingesetzt oder spezielle Schutzbeschichtungen gewählt werden. Häufig wird fälschlicherweise angenommen, Edelstahl sei völlig immun gegen Korrosion. Auch Edelstahl kann jedoch durch Kontaktkorrosion oder Flugrost beschädigt werden. Hierzu wird auf den separaten Beitrag Kann Edelstahl rosten? verwiesen.

Innenansicht eines Sektionaltores mit mehreren horizontalen Paneelen, montierten Scharnieren und vertikalen Führungsschienen an der Seite sowie einer Torsionsfeder auf einer Welle und einem Antrieb im oberen Bereich.

Beschichtungsarten

Im Lieferprogramm sind Sandwich-Paneele standardmäßig in einer Standardfarbe erhältlich. Das ist die sogenannte Coilcoat-Beschichtung. Bei Sonderfarben oder vollverglasten Systemen (AR), die nicht in einer Standardfarbe verfügbar sind, erfolgt eine nachträgliche Oberflächenbehandlung. Es werden im Wesentlichen folgende Beschichtungsarten unterschieden:

  • Pulverbeschichtung von Aluminiumsektionen (AR)
  • Pulverbeschichtung von Sandwich-Paneelen
  • PU-Beschichtung von Sandwich-Paneelen
Nahaufnahme einer Wagner-Spritzpistole, die ein weißes Sektionaltor-Paneel gleichmäßig mit grüner Farbe beschichtet.
Fotografie einer schwarzen „Maintenance Box“ (Pflegeset) von Novatio, bestehend aus einer rosa Flasche „Novacare Shamp-Wax“, einer weißen Sprühdose „Surface Renewer“, einem blau-weißen Schwamm sowie einem blauen Mikrofasertuch.

Lebensdauer und Beeinträchtigungsfaktoren der Beschichtung

Die Lebensdauer einer Oberflächenbeschichtung wird maßgeblich durch Schmutz, Feuchtigkeit sowie die Einwirkung von Salzen, Säuren und anderen aggressiven Stoffen beeinträchtigt. Eine rechtzeitige und regelmäßige Reinigung ist daher essenziell. Die erforderliche Reinigungsfrequenz richtet sich nach der konkreten Schmutzbelastung am Aufstellort.

Zu den besonders belastenden Umweltfaktoren zählen:

  • Küstennahe Standorte (salzhaltiger Niederschlag)
  • Unmittelbarer Bereich über der Geländeoberkante (aufspritzender Schmutz)
  • Aufstellung entlang öffentlicher Straßen (Einwirkung von Streusalz)
  • Städtische Gebiete (Emissionen von Verbrennungsgasen)
  • Verkehrsumgebungen (Schwefel- und Stickstoffverbindungen, Staub sowie Eisen- und Kupferpartikel aus dem Schienenverkehr)
  • Landwirtschaftliche Umgebungen (Ammoniak, Düngemittel)
  • Biologische Verschmutzungen (Tierkot durch Hunde, Katzen, Vögel)
  • Überdachte oder geschützte Bereiche ohne natürliche Regen-Bewässerung (fehlender Selbstreinigungseffekt)
  • Industrieumgebungen (chemische Emissionen und Abgase)

Darüber hinaus spielt die geografische Ausrichtung eine Rolle: Ist das Tor beispielsweise nach Süden ausgerichtet, ist die Beschichtung einer deutlich höheren UV-Strahlung und thermischen Belastung ausgesetzt als an einer Nordseite. Alle organischen Beschichtungen zersetzen sich im Laufe der Zeit unter der Einwirkung von Sonnenlicht.

Außenansicht eines dunkelgrauen Sektionaltores mit Glasfenstern im oberen Bereich, bei dem an den unteren Paneelen und Kanten starker Rost, abgeplatzter Lack und Beschädigungen zu sehen sind.

Reinigung, Wartung und Instandhaltung

Für den langfristigen Erhalt der Beschichtung sollten im Rahmen von Inspektionen feste Reinigungsintervalle festgelegt werden. Objekte in der Nähe öffentlicher Straßen müssen unmittelbar nach der Wintersaison von Rückständen des Streusalzes befreit werden.

Für alle Reinigungsmaßnahmen gelten strenge Vorgaben:

  • Es dürfen ausschließlich neutrale Reinigungsmittel mit einem pH-Wert zwischen 6 und 8 verwendet werden, um die Beschichtung nicht anzugreifen.
  • Die Mittel dürfen keine scheuernden Partikel enthalten.
  • Die Verwendung von Stahlwolle, Schleifpapier oder aggressiven Lösungsmitteln ist untersagt.
  • Vorsicht beim Einsatz von Hochdruckreinigern: Ein zu hoher Druck kann die Beschichtung und Dichtungen nachhaltig beschädigen.

Bei leichten Verschmutzungen empfiehlt sich die Verwendung milder Glasreiniger unter Beachtung der genannten pH-Wert-Grenzen, gefolgt von einer großzügigen Klarsicht-Spülung mit Wasser. Hartnäckige Verschmutzungen erfordern speziell dafür entwickelte, materialschonende Spezialreiniger.

Beschädigungen und Flugrost

Mechanische Beschädigungen der beschichteten Oberfläche (z. B. tiefe Kratzer) brechen die Schutzschicht auf und ermöglichen Umwelteinflüssen den direkten Angriff auf das Grundmaterial. Solche Beschädigungen sollten schnell und fachgerecht ausgebessert werden, um die Korrosionsbeständigkeit wiederherzustellen.

Ein bekannter Risikofaktor ist Flugrost. Hierbei handelt es sich um feine Metallpartikel, die beispielsweise durch mechanischen Verschleiß des Federsatzes freigesetzt und in der Luft verteilt werden. Setzen sich diese Partikel auf der Beschichtung ab und korrodieren dort, fressen sie sich in die Schutzschichten ein. Da der Federsatz bei vielen Sektionaltoren oberhalb des Torblatts montiert ist, lässt sich dieser Abrieb im laufenden Betrieb kaum vollständig verhindern; optional installierte Schutzhauben können das Risiko jedoch minimieren.

Schlussbestimmungen und Anforderungen

Eine Beschichtung erreicht stets nur den Korrosionsschutzwert ihrer schwächsten Schicht (Prinzip des schwächsten Glieds), es sei denn, das gesamte System wird von Grund auf neu aufgebaut.

Spezifische Anforderungen des Auftraggebers bezüglich höherer Korrosionsschutzklassen (Klassen 3, 4 oder 5) müssen projektspezifisch kommuniziert werden und sind in der Regel mit einem entsprechenden Aufpreis verbunden.

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